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Eine kurze Einführung ins Clickertraining


Was ist ein Clicker?
Ein Clicker ist vergleichbar mit einem kleinen Knackfrosch. Er ist aus Plastik und hat entweder eine Metallzunge oder einen Plastik-Knopf, der beim Draufdrücken ein "Click-Clack"-Geräusch erzeugt. Theoretisch kann man auch einen Kugelschreiber oder einen anderen Gegenstand benutzen, mit dem man ein gleichbleibendes Geräusch erzeugen kann.



Was versteht man unter Clicker-Training und wozu soll das gut sein?
Der "Click" wirkt als konditionierter Bestärker. Nach dem Clicken folgt immer eine Belohnung (z.B. in Form von  Leckerli oder Spiel). Der Hund lernt sehr schnell, dass dieses Geräusch eine Belohnung ankündigt. (Wie schnell hat er gelernt, dass das Geräusch der sich öffnenden Kühlschranktür, oder das Öffnen einer Dose bedeutet, dass es möglicherweise gleich etwas zu essen gibt ;o)) Da Hunde besonders gut durch Versuch und Irrtum, bzw. Erfolg lernen, erzielt man mit dieser Trainingsmethode erstaunlich schnelle Erfolge. Gemeinsam erarbeitet man sich Schritt für Schritt die jeweiligen Lernziele. Und die Hunde arbeiten, konzentriert, motiviert und freudig mit.

Wie das aussehen kann, zeigt Merlin:
"Wir machen was Neues? Mit dem roten Ding da? Okay... was soll ich wohl damit tun??? Vielleicht die Pfote draufstellen?"



"Nööö, anscheinend nicht...
..ich probiers mal mit der Nase..."



"Juchhu, Frauchen hat geclickt... das war also richtig! Ich krieg ein Leckerli :-D"



Was gibt es beim Clickertraining zu beachten?
Der Mensch muss umdenken. Wir haben meist gelernt auf Fehler zu achten und diese zu kritisieren und korrigieren. Beim Clickertraining konzentrieren wir uns auf die Dinge, die der Hund richtig macht. Es geht also nicht darum, einem Hund etwas "abzugewöhnen", sondern mit Hilfe des Clickers das Verhalten zu bestärken, dass wir stattdessen sehen möchten. Der Hund lernt sehr schnell, dass ihm dieses alternative Verhalten "mehr bringt". Durch das "Click"  und die Belohnung (Leckerli) wird der Hund die gewünschte Verhaltensweise immer öfter zeigen.

Man "clickt" also bei jedem - auch nur kleinsten Schritt - in die richtige Richtung des gewünschten Verhaltens. Und für jeden "Click" gibt es auch ein Leckerli - für JEDEN "Click" - auch wenn man "aus Versehen" geclickt hat oder der Hund dann doch im Moment des "Clicks" doch schon wieder etwas anderes "Falsches" gemacht hat. Denn der Hund kann nichts dafür, wenn wir zu langsam oder aus Versehen clicken ;o) Jeder "Click" bedeutet ein Leckerchen. Auch wenn der Hund es nicht annimmt, weil er vielleicht gerade abgelenkt oder gestresst ist - aber zumindest anbieten müssen wir es ihm.

Wann und wofür benutze ich den Clicker?
Der Clicker ist nicht nur hilfreich, wenn man den Hunden lustige oder nützliche Tricks beibringen möchte, sondern auch in der Alltagserziehung. Mit Hilfe des Clickers kann man z.B. auch Schritt für Schritt unerwünschte Verhaltensweisen, wie das Anspringen von Passanten, das Bellen in bestimmten Situationen und vieles andere umlenken, in dem man das alternative gewünschte Verhalten bestärkt, z.B. Herrchen/Frauchen anschauen, sich hinsetzen oder still sein. Auch in der Welpenerziehung ist der Clicker sehr hilfreich. Sei es bei der Erziehung zur Stubenreinheit, ersten Übungen, wie Sitz und Platz oder dem Gehen an lockerer Leine. Man bestärkt das Verhalten einfach, wenn der junge Hund es von sich aus zeigt. Er lernt dann schnell, welches Verhalten ihm etwas "bringt" und welches nicht.

Wieso brauche ich dafür eigentlich einen Clicker? Kann ich nicht auch ein Lobwort benutzen?
Natürlich kann man auch ein Lobwort benutzen. Der Clicker hat aber einige Vorteile:
  • man kann den Hund auf den Bruchteil einer Sekunde genau bestärken (das geht mit Lobwort nicht)
  • es ist ein kurzes und prägnantes Geräusch und für den Hund klar verständlich (wir neigen dazu den Hund mit Worten zu überschütten, so dass es ihm oft schwerfällt herauszuhören, was wir meinen)
  • das Click-Geräusch ist immer gleich und losgelöst von unseren aktuellen Emotionen (egal, ob wir uns gerade ärgern oder freuen) denn unsere Stimme passt sich unserer Stimmung an, ob wir wollen, oder nicht
  • es hebt sich von den Geräuschen in der Umgebung deutlich ab
  • der Hund kann es auch auf Distanz gut wahrnehmen (so haben wir die Möglichkeit ihn dort und in dem Moment zu belohnen, für das was er gerade tut - dass er das Leckerli erst einen Moment später bekommt, ist nicht schlimm. Für ihn zählt der Moment in dem er durch den "Click" das Leckerli angekündigt bekommen hat)
Dennoch kann es hilfreich sein, zusätzlich ein spezielles Lobwort, wie den Clicker zu "konditionieren" - also ein Wort, dass ebenfalls immer ein Leckerli verspricht. Denn nicht immer hat man den Clicker griffbereit, um ein Verhalten bestätigen zu können, dass der Hund spontan zeigt und uns gefällt.

Hier einige Beispiele für Clickerworte: Yes, Gut, Yip, Yup, Click

Tipp: Wenn man mehrere Hunde hat, sollte jeder Hund sein eigenes Clicker-Wort bekommen. Die Worte sollten sich auch vom Klang her klar unterscheiden. So hat man die Möglichkeit zum Beispiel bei einem Spaziergang einen Hund für ein bestimmtes Verhalten gezielt zu belohnen. Denn es kann ja sein, dass der andere Hund in dem Moment etwas tut, was uns nicht gefällt. Und das wollen wir ja nicht bestärken ;-)

Wie beginne ich mit dem Clicker-Training?
Als erstes muss das bisher bedeutungslose "Click"-Geräusch zum konditionierten Bestärker werden. Dazu muss Dein Hund lernen, dass der "Click" eine Belohnung verspricht (z.B. Futter oder Spiel).

Das ist ganz einfach. Bereite einige Leckerchen vor - etwas was Dein Hund sehr gerne mag: z.B. kleine Stücke Geflügel-Wiener, Käse oder gebratene Leber - und dann geht's los. Am besten in einer ruhigen, ablenkungsarmen Umgebung - zum Beispiel alleine mit dem Hund zuhause im Wohnzimmer. Nimm den Clicker, erzeuge das "Click-Clack", greife anschließend  sofort zu den Leckerchen und gib ihm eins. Das Ganze wiederholst Du ein paar Mal. Nach 5-15 mal hat es fast jeder Hund verstanden :o)

Immer nur "Click" und "Leckerchen" - sage nichts dazu und ignoriere es, wenn der Hund anfängt zu zappeln oder an Dir hochzuspringen. Gib ihm das Leckerchen mal aus der rechten Hand, mal aus der linken Hand, kullere es mal über den Boden oder werf es ihm zu. Teste aus, was besser klappt: die Leckerchen aus Deiner Hosentasche oder einem Futterbeutel geben oder wenn Du einen Teller mit den Leckerchen auf einen Tisch oder auf ein Regal neben Dir stellst.

Dann mache den Test. Clicke, wenn der Hund in eine andere Richtung schaut. Fliegt der Kopf zu Dir herum in freudiger Erwartung eines Leckerchens? Super - der Clicker ist konditioniert!

Eine erste Übung könnte nun sein, zu Clicken, wenn er Dich anschaut. Diese Übung ist auch später sehr hilfreich, um die Aufmerksamkeit des Hundes gezielt auf Dich lenken zu können.
  1. Warte einfach ab ohne etwas zu sagen oder sonstwie auf Dich aufmerksam zu machen
  2. Schaut er Dich an?
  3. Clicken
  4. Belohnen
Das übst Du etwa 5 Minuten 2-3mal pro Tag, in unterschiedlichen Räumen. Und dann unter steigernder Ablenkung (z.B. wenn noch andere Hunde oder Menschen mit im Raum sind). Wenn es immer zuverlässiger klappt, kannst Du anfangen ein Wort dazu zu sagen, wie z.B. "Watch", "Look" oder "Schau", in dem Moment, wenn er es tut. Der nächste Schritt wäre dann das Wort zu sagen und nur zu clicken, wenn er Dich dann auch direkt anschaut. Tut er es nicht, dann ist es noch zu früh für das Wort-Signal. Übe weiter wie bisher. Auch wenn es später Probleme gibt, bei anderen Übungen liegt es meist daran, dass wir zu ungeduldig sind und den Schwierigkeitsgrad zu schnell steigern.

„Ein- und Ausschaltrituale“ und warum sie sinnvoll sind
Wann es sich lohnt zu arbeiten und wann nicht, sollte man seinem Hund mit Hilfe eines kleinen “Ein- und Ausschaltrituals” zu verstehen geben. Dazu nehmen wir anfangs ein paar Leckerchen in die Hand und bewegen sie hin und her, so dass sich der Hund dabei bewegt und fragen aufmunternd etwas wie “willst Du was tun?” Wenn wir das Gefühl haben, er ist jetzt aufmerksam und bei der Sache, geben wir ihm 2-3 „Geschenke“ (=Click/Futter, Click/Futter, Click/Futter) ohne dass der Hund dafür etwas tun muss. Einfach für Anwesenheit, Aufmerksamkeit und weil er so schöne Augen hat ;o) Und dann gehts los. Wer möchte kann auch noch ein weiteres Wort einführen, wie z.B. „Action“, um ihn dazu zu animieren etwas anzubieten.
Wenn wir die Übungseinheit kurz unterbrechen oder beenden wollen, sagen wir dem Hund ein anderes Wort, wie z.B.: „Pause“ oder “Ende”, um ihn “auszuschalten”. Gleichzeitig sollten wir den Clicker sichtbar wegstecken und uns selbst entspannen und Löcher in die Luft schauen, bis unser Hund uns nicht mehr erwartungsvoll anschaut. Er darf dann machen, was er möchte (rumschnüffeln, sich hinlegen etc.) Bis wir ihn wieder “einschalten”...
Wenn wir das nicht tun, und uns zwischendrin mit jemandem unterhalten oder selbst überlegen, was wir als nächstes üben wollen, der Hund aber noch im “Betriebsmodus” ist und uns weiter freudig tolle Sachen anbietet, dafür aber nichts bekommt, ist er gegebenenfalls schnell demotivert und arbeitet beim nächsten Mal nicht mehr so freudig mit. Wenn wir Pech haben, zeigt er vielleicht sogar gerade dass, worauf, wir eben die ganze Zeit gewartet haben – aber bekommen es gar nicht mit... und der Hund bietet es nicht mehr an, weil es sich für ihn nicht gelohnt hat.
Da Clickerhunde es lieben zu arbeiten, kann einem auch was anderes passieren, was auf die Dauer ziemlich nerven kann. Denn ehe man sich versieht, hat man einen Hund, der ständig irgendetwas mit der Nase oder Pfote anstupst oder einem bringt – auch in Situationen, in denen man einfach nur einen ruhigen Hund haben möchte...

Kann man auch an mehreren Übungen gleichzeitig arbeiten?
Ja, natürlich - sonst würde es nicht nur uns, sondern auch unseren Hunden sehr schnell langweilig :o) Aber sie sollten nicht zu ähnlich sein, damit es für den Hund nicht verwirrend ist.

Wie lange sollte eine Übungseinheit sein?
In der Kürze liegt die Würze. Lieber ab und an ein paar kurze Übungsintervalle à 1-2 Minuten und entsprechende kurze Pausen dazwischen, als einmal 30 oder gar 60 Minuten am Stück. Dabei ist es egal, ob man täglich oder nur 2-3 mal pro Woche übt. Je nach Lust und Laune.
Pro Tag 5-10 Minuten mit je 2-3 Übungsintervallen, à 1-2 Minuten reichen für den Anfang völlig aus. Wer möchte kann auch morgens, mittags und abends kurz üben. Natürlich kann man auch mal über den Zeitraum einer Stunde trainieren, z.B. zusammen mit Freunden oder in einer Gruppenstunde in einer Hundeschule. Aufhören sollte man aber immer, wenn es gerade am schönsten ist und der Hund viel Spaß und gerade ein Erfolgserlebnis hatte. Umso mehr freut er sich auf die nächste Clickereinheit und ist dann wieder voll bei der Sache. Klappt eine neue Übung mal überhaupt nicht und man hat das Gefühl, man steckt fest und irgendwie geht gar nichts mehr, sollte man vor dem Ende der Übungseinheit nochmal etwas ganz einfaches abfragen was der Hund sehr gerne macht und gut kann, damit die Übungseinheit mit einem Erfolg abgeschlossen werden kann. Oft ist es schon vorgekommen, das genau diese Übung, wenn man sie 14 Tage später mal wieder üben wll, der Hund auf einmal auf Anhieb macht, was man damals von ihm wollte... er musste einfach ein bisschen drüber nachdenken.

Wann und wie führt man das Wortsignal für eine Übung ein?
Nehmen wir das Beispiel “Anschauen” von eben. Neue Übungen bedürfen zunächst häufiger Wiederholung. Im Schnitt sagt man, dass man die Übung an mehreren Tagen und an verschiedenen Orten insgesamt ca. 50-100 mal wiederholt haben soll, bevor man ein Wortsignal dazu nimmt. Das heißt, dass wir am Anfang nur mit Hilfssignal (Geste, Handzeichen, Hilfsmittel etc.) sowie „Click & Futter“ üben, also den Hund selbstständig und ohne Wortsignal arbeiten lassen.
Das Wortsignal führt man erst ein, wenn der Hund wirklich „verstanden“ hat, worum es geht. Davon kann man ausgehen, wenn man es schafft pro Minute 8-12 mal zu “Clicken und Lecker” zu geben. Nehmen wir an, wir möchten als Wortsignal “Schau”. Dann sagen wir in der nächsten Übungseinheit erst das Wort “Schau”, warten zunächst eine Sekunde, später 2-3 Sekunden und geben dann ergänzend das Hilfssignal dazu. Der Hund wird so nach einer Weile anfangen, schon auf das Wortsignal zu reagieren, da er schneller ans Leckerchen möchte :o) Sobald die Hälfte der Versuche bereits auf Wortsignal klappt, gibt es nur noch Click & Futter, wenn der Hund die Übung gleich auf das Wortsignal ausführt.

Tipp zum Weiterlesen:
Doris Vaterlaus hat auf ihrer Seite www.clicker.ch eine Übersetzung der 15 Regeln von Karen Pryor, zum Thema "Wie beginne ich mit dem Clicker Training" aus dem Englischen übersetzt.


Viel Spaß beim "Clickern" :o)
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